Damian Sicking

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Wer nur trinkt, weil er Durst hat, wird es im Beruf nicht weit bringen

Ein Wissenschaftler von der Universität Calgary in Kanada hat unlängst eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Er fand heraus, dass Angestellte, die bei betriebsinternen Feiern gerne mal einen über den Durst trinken, zehn Prozent mehr Gehalt verdienen als ihre abstinenten Kollegen. Interessant, nicht wahr? Offenbar müssen wir komplett umdenken. Denn bisher galt es als eine der sichersten Methode, sich die Karriere zu verbauen, wenn man im Kollegenkreis und bei Vorgesetzen im Ruf eines trinkfreudigen Pichelmeiers steht. Nun also dies: Nicht der Bier-, Wein- und Schnapstrinker hat ein Alkoholproblem, sondern der Wasser-, Cola und Safttrinker. Motto: Wer beruflich vorwärts kommen will, muss ganz schön was schlucken können.


Na ja, schon die Lateiner wussten ja: "In vino veritas!" Im trunkenen Zustand zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Um beurteilen zu können, ob ein Mitarbeiter zur Führungskraft taugt, muss er erst einmal hackeblau erlebt werden. Auch die Frage der Belastbarkeit spielt hier eine große Rolle. Gerade an Mitarbeiter im Außendienst werden in dieser Hinsicht hohe Anforderungen gestellt. Denn bekanntlich beginnt eine einigermaßen vernünftige Geschäftsbeziehung zwischen Lieferant und Kunde erst mit einem gemeinsamen kräftigen Rausch. Vertriebsleute, die für diese wichtige Aufgabe nicht die erforderliche Prädisposition mitbringen, sitzen schnell auf dem Trockenen und sollten in die Buchhaltung versetzt werden.


Das Dumme ist nur, dass noch immer viele Chefs die Meinung vertreten, Alkohol am Arbeitsplatz sei grundsätzlich schädlich und stehe den Interessen der Firma entgegen. Was soll man mit diesen Vorgesetzten machen? Die eine Möglichkeit besteht darin, sie aussterben zu lassen. Aber das dauert. Die andere Möglichkeit wäre eine breit angelegte Aufklärungskampagne, um die Forschungsarbeit aus Kanada bekannt zu machen. Eine tolle Chance für die Getränke-Branche, mit frischen Sprüchen und frechen Bildern für sich zu werben. Warum nicht statt „Heute ein König“ (König-Brauerei) „Ab heute mach ich Karriere, hicks“? Oder ein nettes Filmchen von einer Betriebsfeier, auf der sich die Nichtskönner und Verlierer mit deprimiertem Gesichtsausdruck an ihrem lauwarmen Glas Mineralwasser (ohne Kohlensäure) festhalten, während die braun gebrannten, gut gelaunten Erfolgsmenschen umringt von schönen Frauen ein leckeres Glas Wodka-Lemon genießen. Ich bin sicher, dass mir noch viel mehr tolle Ideen einfallen, ich muss mir nur schnell etwas zu trinken holen. À votre santé!

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